Übersichtskarte

Die Präsidentschaftswahlen

Montag, 25.11.2013

Die Toten wählen mit

Ja, am 24. November waren hier die Präsidentschaftswahlen. Das ist natürlich ein großes Thema. Auch wenn Politik nicht jeden großartig interessiert, es lohnt sich wirklich jetzt weiter zu lesen. Es ist unglaublich, was ihr jetzt über Honduras erfahren werdet, mit was für Tricks und Unverschämtheiten hier vorgegangen wird. Ihr werdet es nicht glauben. So gesehen hat Honduras gar keine Demokratie. Ich versuche jetzt mal das Wichtigste zum Verständnis aufzuschreiben. Es ist, wie ich es aufgefasst habe:

Also in Honduras sind die Partido Nacional (nationale Partei) und Libre (Frei) die beiden größten Parteien. Die nächstgrößten sind dann Liberal und PAC (Partido Anti Corrupción = Partei Anti Korruption).

Die Partido Nacional war bisher die letzten Jahre und auch insgesamt die meißte Zeit an der Macht. Sie ist die klassische Partei, die die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher macht. Honduras wird seit Jahren von großen Unternehmen aus den USA und aus Europa wirtschaftlich ausgenutzt. Nicht ohne Grund hat das Land den Namen „Bananenrepublik“ bekommen, weil die Macht dieser großen Unternehmen weitaus größer als die politische Macht oder die der Bevölkerung ist. Die Partido Nacional unterstützt diese Unternehmen und arbeitet mit ihnen zusammen. In dem Geschäft bei den Reichen „da oben“ profitieren sie alle gegenseitig voneinander und die Armen bleiben auf der Strecke. Außerdem arbeitet die Partido Nacional eng mit der honduranischen Polizei und mit dem Militär zusammen und findet unter ihnen auch viele Anhänger. Und das braucht diese Partei auch, um ihre Pläne durchzusetzen. Mit Waffengewalt können sie also im Grunde alles erreichen. Die Polizei ist korrupt und lässt sich leicht bestechen.

Also auf der einen Seite leitet die Partido Nacional Gesetze zu Gunsten der Polizeibeamten ein, so dass sie mehr Freiräume haben, mehr Geld verdienen oder auch einfach mal so Steuergelder bekommen, im Gegenzug ist die Polizei und das Militär für diese Partei zur Stelle und unterstützt ihre Pläne.

Beispielsweise wie im Jahre 2009. 2005 wurde José Manuel Zelaya von Libre zum Präsidenten gewählt. Während seiner Amtszeit verringerte sich die Armut in Honduras und so hatte er viele Anhänger. Ein Punkt der mir sehr an ihm gefiel war, dass er ein Programm versprach, mit dem die "Maras", die Jugendbanden, in die Gesellschaft integriert werden können. Die Partido Nacional dagegen forderte die Todesstrafe für die Verbrechen dieser Mitglieder. Und auch gegen andere Dinge Zelayas hatte die Partido Nacional natürlich was. Zuvor war sie an der Macht und wollte diese selbstverständlich nicht verlieren. Also wurde 2009 ein Militärputsch eingeleitet, das heißt, Zelaya wurde vom Militär gestürzt und außer Landes gebracht. Irgendwann hab ich sogar mal gehört, dass er nackig auf einem Pferd über die Grenze reiten musste, aber ich glaube, da hab ich wohl was falsch verstanden Zumindest konnte er vom Ausland aus sein Amt als Präsident nicht nachgehen, es wurde kurz ein Interimspräsident ausgewählt und anschließend wurde Porfirio Lobo der Partido Nacional zum neuen Präsidenten von Honduras. Die Partido Nacional hat sich also selbst wieder an die Macht gebracht. Lobo hat dem Land seitdem nicht viel gebracht. Bis 2014 ist er noch Präsident und am 24. November 2013 sollte nun sein Nachfolger gefunden werden.

Soweit also zur Vorgeschichte. Jetzt zu den Wahlen am 24.11.2013:

Präsidentschaftskandidat der Partido Nacional ist Juan Orlando, der ist auch schon Präsident des nationalen Kongresses. Libre wird von Xiomara Castro de Zelaya vertreten, sie ist zufälligerweise auch die Ehefrau von Manuel Zelaya. Einen Anhänger der Partido Nacional habe ich mal schimpfen gehört, sie sei so nur die Marionette von Manuel Zelaya. Doch für die Anhänger von Libre ist dies natürlich super. Sie haben die Chance die Ideen von Manuel über Xiomara durchzusetzen. PAC wird von Salvador Nasralla vertreten, einem lustigen Mann, dem vorgeworfen wird eine Transe zu sein, weil er sich gerne mal schminkt. Im Fernsehen tritt er auch gerne mal nur mit Unterhose auf. Außerdem lebt er für den Fußball, er befragt nach einem Spiel von Honduras die Spieler, tanzt, feiert und hüpft mit den Fans. Viele Honduraner mögen das und so hat er auch ein paar Anhänger Zunge raus Außerdem wurden an diesem Tag auch unzählige Bürgermeister und noch andere Ämter gewählt. Die Straßen wimmelten also zuvor nur so von Werbeplakaten der Parteien und es wurden Fahnen und anderes Gedöns verkauft.

Interessante Unterschiede zu Deutschland sind, dass drei Tage vor den Wahlen in den Geschäften kein Alkohol gekauft werden darf. Oder, weil nach den Wahlen oft viele Unruhen im Land herrschen, haben in Honduras am Tag danach alle frei.

Es hatte im Vorfeld viele politisch motivierte Morde gegeben und es wurde von einem möglichen Bürgerkrieg gesprochen.

Nun erfahrt ihr von den Dingen, die für mich unvorstellbar neu waren. Eine spanische Vokabel werde ich wohl nie Vergessen: „Fraude“ = Betrug. Also, zur Korruption, zur Täuschung, zum Einfluss, zur Fälschung:

  • Stimmenkauf: Die Partido Nacional besuchte vor den Wahlen Armenviertel in Honduras, verteilte Essen und Geld an ihnen. Diese finden das natürlich nett und wissen oft wegen geringer Bildung nicht, mit welchen Absichten diese das machen. Sie werden beeinflusst und wählen später für die Partido Nacional.
  • Kein Wahlgeheimnis: Die Wahlen finden, wie in Deutschland auch, in den Schulen statt. Und selbst Vorort, am Tag der Wahlen, waren die Parteien durch Stände vertreten und beeinflussten die Leute. Der Wähler konnte auch nur bei einem dieser Stände die Nummer erhalten, mit der er weiß, in welchem Klassensaal er wählen kann. Man kann zu jeder Partei gehen, um seine Nummer zu bekommen, doch die meisten gehen natürlich zu ihrer Partei und so sehen alle wen man wählt.

  • Geld macht alles möglich: Nach Gesetz muss in jedem Wahllokal von jeder Partei ein Vertreter anwesend sein, um Betrugsversuche von den Wahlhelfern oder der jeweiligen anderen Partei zu verhindern. Doch in vielen Wahllokalen wurden den Wahlhelfern Geld angeboten, so dass alle in einem Wahllokal für die Partido Nacional sind. Es sind in einigen Lokalen sogar Aufseher aus den USA zu Stelle. Krass! Da sieht man welch großen Einfluss die Vereinigten Staaten auf Honduras haben. Und da diese, wie zuvor beschrieben, oft auch mit der Patido Nacional zusammenarbeiten, wird ihre Arbeit als Aufseher also nur zur Vortäuschung von legal ablaufenden Wahlen missbraucht. Nun kann in solch einem Wahllokal alles unternommen werden, um Stimmen zu fälschen. Wie im folgenden Punkt:
  • „Stromausfall“: Ob diese Vorgehensweise dieses Jahr auch vorkam, weiß ich nicht. Ich habe jedenfalls gehört, dass es bei einer vorherigen Wahl vorkam. Von der Partido Nacional eingeleitet, wurde in einem Wahllokal ein Stromausfall iniziiert. Es war alles dunkel und so wurden in der Zwischenzeit Stimmen ausgetauscht, zerstört oder gefälscht.
  • Die Toten wählen mit: Ja wie soll das denn gehen? Wenn hier jemand stirbt, was ausgesprochen oft vorkommt, wird das nicht registriert oder irgendwo festgehalten. Leute klauen dann von den Toten die Personalausweise, fälschen diese mit ihrem Foto und haben so zwei Ausweise, sprich zwei Stimmen, mit denen sie wählen gehen. Jeder Wähler bekommt zwar nach seiner Wahl an seinen kleinen Finger, eine spezielle Farbe, die seine bisherige Wahl kennzeichnet. Doch gegen Bezahlung am Wahltisch schaffen es viele diese Sicherheitsbarriere zu hintergehen.
  • Stimmenklau: Und nicht nur von den Toten, auch von den Lebenden werden die Personalausweise geklaut und gefälscht. So gehen Leute zur Wahl und das System sagt, sie hätten schon gewählt oder sie seien laut Verzeichnis tot.  Die Wahlhelfer konnten in diesem Fall natürlich nichts machen. Irgendwie hatte also zuvor jemand ihre Identitätsnummer zum Wählen benutzt oder sie als tot erklärt.

So wie dieser Zeitungsartikel es beschreibt. Die Überschrift lautet übersetzt: "Sie wollten wählen, aber sie ließen sie nicht: Sie waren "tot".

Dies sind bestimmt nur einige wenige Bespiele. Ich wurde von Lety´s Familie an diesem Tag mitgenommen und war so bei einem Wahllokal mit Vorort. Wegen möglichen Aufständen hatte das Fernsehen und die Zeitung zuvor schon Warnungen ausgesprochen und riet, nur wählen und dann wieder nach Hause zu gehen. Die Straßen waren im Vergleich zu anderen Tagen auch wirklich verblüffend leer. Ich sollte zudem extra ein neutrales weißes T-shirt anziehen, damit niemand denken könnte, ich würde mit einer bestimmten Farbe einer Partei angehören. Der Vater von Lety holte uns ab und fuhr uns zu den Wahlen. Wir fuhren durch Chamelecón, eines der gefährlichsten Stadtteile von San Pedro Sula. Er wird auch als „rote Zone“ bezeichnet, weil hier viele Anhänger der Maras, den Jugendbanden, leben. Und ausgerechnet an diesem Tag fuhren wir hierdurch. Durch eines der gefährlichsten Viertel der Welt Überrascht Lety schimpfte später mit ihrem Vater, weil er diesen Weg wählte. Doch er wollte mir unbedingt seine Arbeiststelle auf einem großen Papayafeld zeigen und dies erforderte diesen Weg. Der Anblick war auch wiklich sehr beeindruckend. Ein Arbeitskollege von ihm war auch noch dabei und wir nutzten noch schnell die Zeit ein paar Fotos zu schießenZwinkernd

Der Papa von Lety zeigt uns seine Arbeit Die Töchter Andrea und Fernanda und Lety Ich, Fernanda, Gustavo, Andrea und der Arbeitskollege Fernanda und Andrea

Später dann im Wahllokal angekommen setzte ich mich mit einem Wahlhelfer zusammen und er erklärte mir ganz genau die Vorgehensweise und den Ablauf der Wahlen. Wie viele Stimmen man hat, wann Stimmen ungültig werden und welche Ämter gewählt werden.

Der Wahlhelfer, Ich (ganz nachdenklich ;)) und Lety

Und dann ging ich wählen. Ich holte mir auch eine Nummer und warf meinen Stimmzettel in eine der Wahlurnen. Nein Lachend Natürlich nicht, aber wenn ich gesagt hätte, dass ich für die Partido Nacional wähle, wär`s sicher möglich gewesen Zwinkernd

 

Jetzt aber zum größten Betrug von allen. Nachdem wir dann wieder zu Hause angekommen waren, verfolgten wir gespannt die Stimmenauszählung vor dem Fernseher. Die Stimmen wurden nach und nach an den Fernsehsender gesendet und mehrere Sprecher lasen die Werte aus den verschiedensten Regionen Honduras vor. Trotz all der Tricks seitens der Partido Nacional erntete Xiomara von Libre in fast allen Lokalen die meisten Stimmen. Und oft hatte selbst Salvador von PAC mehr Stimmen als Juan Orlando. Worüber ich mich sehr ärgere ist, dass ich das Endergebnis nicht bis zum Ende abwartete und schlafen ging. Ich war in dem Moment nicht der einzige der dachte, Xiomara hätte den Sieg sicher. Ich bekam SMS von Mitarbeitern die sich darüber freuten oder erfuhr später, dass Xiomara selbst zwischenzeitlich sagte: „Ich bin die neue Präsidentin von Honduras.“ Die Zahlen waren eigentlich eindeutlich. Leider verpasste ich es. In den letzten Minuten brach anscheind das System zusammen. Es wurde kurz nichts ausgestrahlt. Doch als dann wieder was zu sehen war, hatte auf einmal die Partido Nacional die meisten Stimmen Überrascht Unglaublich. Und niemand konnte was dagegen unternehmen.Das Titelblatt der Prensa (Zeitung) am nächsten Tag (25.11.2013) mit Juan Orlando

             Ein Artikel über Xiomara. Der Titel lautet: "Ich kann sagen, dass ich die Präsidentin bin"

Die Zeitung, die auch von der Partido Nacional beeinflusst wird, schrieb ganz normal und ganz selbstverständlich von einem gerechtfertigten Sieg. Laut Zeitung gewann Juan Orlando mit 34,26 % vor Xiomara mit 28,73 %. In Honduras reicht eine einfache Mehrheit.

Doch auch, wie es die Zeitung hier berichtet ist es schon total schwachsinnig. Wenn man unter den Prozentzahlen die totalen Zahlen addiert, kommt man auf insgesamt 1.663.298. Ok, in Honduras leben auch ganz viele minderjährige, die noch nicht wählen dürfen. Aber bei einer Gesamtpopulation von 8 Millionen Einwohner und nur 1.6 Millionen gehen wählen, da fehlen doch sicher Stimmen.

Doch auch spätere Überprüfungen aus den USA und aus Europa sagten, dass die Wahlen wohl richtig durchgeführt wurden. Nun finden viele Proteste wegen Wahlbetrug statt. Studenten demonstrieren auf der Straße und die Polizei geht mit Pfefferspray gegen sie vor. Auch vor der Wahlbehörde in Tegucicalpa sind viele Leute gezogen. Auch das nicht ungefährlich. Zwei Aktivisten wurden ermordet. Später am 6. Dezember habe ich gelesen, dass die Wahlbehörde auf Antrag von Xiomara eine Neuauszählung der Stimmen unternehmen will. Vielleicht bringt das ja was.

 

[Ein weiterer interessanter Punkt, ist die Projektidee, die die Partido Nacional gegen die Armut in Honduras hat. Vor den Wahlen erschien in „die Zeit“ ein Artikel über diese Idee. Dadurch, dass die Partido Nacional nun gewonnen hat, ist die Verwirklichung davon wahrscheinlicher geworden. Es wurde dafür sogar schon die Verfassung geändert. Der Artikel fängt mit total spannenden Informationen und Formulierungen über Honduras an. Doch, wie ich finde, macht er zu sehr den Eindruck, als dass dies DIE LÖSUNG wär. Mag sein, ich weiß es natürlich nicht. Aber für mich bezieht er sich viel zu wenig auf die Folgen und die Meinung der Bevölkerung. Wie mir Einheimische hier sagen, sind sie klar gegen dieses Projekt, da sie glauben, dass die Armen keine Chance haben werden dort zu wohnen und die Reichen das wieder nur für sich machen. Ich bezweifele auch, dass damit allen geholfen werden kann. Aber macht eure eigene Meinung darüber. Hier der Artikel.]

Was noch kommt

Dienstag, 08.10.2013
  • Eine andere Freiwillige aus Honduras, die vier Tage hier gearbeitet hat, hat mir angeboten Freitag zu ihr zu kommen. Sie würde mich abholen, ihre Mama würde was kochen und wir besuchen eine Kirche. Sie wohnt irgendwo zwischen Villanueva und San Pedro Sula.
  • Irgendwann in nächster Zeit muss ich noch zum deutschen Generalkonsulat nach San Pedro, um mich dort vorzustellen und mir noch Sicherheitshinweise einzuholen.

Von all den Sachen und noch mehr, werde ich dann beim nächsten Mal berichten. 

Ihr fehlt mir alle und freue mich schon euch wiederzusehen. Und auf Sprudelwasser freue ich mich auch wieder Zwinkernd

Großes Hogaren-Fest in San Pedro Sula

Dienstag, 08.10.2013

Am Samstag, 05. Oktober veranstalteten mehrere große soziale Organisationen in San Pedro Sula in einer Militärschule ein Fest für alle Hogare (Heime) in der Umgebung. Die Hauptorganisation war „Angels of Hope“.

Um ca. 8 Uhr morgens wurden wir mit einem Militärtransportfahrzeug im Hogar San Rafael abgeholt. Ein Fahrer und zwei bewaffnete Soldaten begleiteten uns.

In San Pedro angekommen, war das Fest schon im vollen Gange. Es war ein Fest für über 700 ehemalige Straßenkinder. So viele Kinder die eine Vergangenheit hinter sich haben, in der sie kein Essen, kein zu Hause, keine Familie hatten. So viele auf einmal, die nun die notwendige Unterstützung in den vielen Heimen finden, die hier vertreten sind. Unzählige Hüpfburgen waren aufgebaut worden und in einem großen Saal wurden Tänze, Sketche und Musikauftritte geboten. Es gab Eis, besondere Säfte, Essen und es wurden Süßigkeiten und kleine Geschenke wie beim Karneval in die Menschenmenge geworfen.

Für die Kinder natürlich alles umsonst. Sie bekamen T-shirts mit ihrem Hogarnamen auf dem Rücken und „Angels of Hope 2013 – Queriendo a nuestra Honduras“ (Engel der Hoffnung 2013 - Ich will unser Honduras ) auf der Brust.

Außerdem hatte jedes Hogar die Aufgabe, einen Stand mit einem zugeteilten honduranischen Landesabschnitt zu gestalten. Wir hatten das Departamento „Paraìso“ und ich half mit den Stand zu dekorieren.

Zudem sollte jedes Hogar einen Auftritt abliefern. Unsere Kids sangen, trommelten und ein Kind rappte sogar ein paar Sätze. Wir Mitarbeiter jubelten ihnen laut zu.

Zum Abschluss trat noch eine große, professionelle Spielmannzugstruppe auf.

Im Militärbus auf dem Rückweg sind dann einigen Kindern nach diesem großen Ereigniss schon die Augen zu gefallen. Ein wirklich wichtiger Tag.

Endlich!

Montag, 07.10.2013

Ich bin jetzt schon 2 1/2 Wochen in Honduras, wooow, die Zeit vergeht raaaasend schnell. Ja und endlich, endlich könnt ihr meinen ersten Bericht lesen. Ja es ist einiges Zwinkernd Es ist schon ne ganze Menge passiert. Mir geht es fantastisch, die Flüge haben ganz gut geklappt, bin mit meiner Unterkunft total zufrieden und die Menschen hier sind uuuunglaublich freundlich und hilfsbereit.

Nun steht mir eine Zeit bevor, in der ich ganz neue Sachen kennen lernen werde. Völlig fremdes, völlig unbekanntes. Ich kenne keinen. Keiner spricht Deutsch. Mit dem, was ich in Deutschland gelernt habe, muss ich versuchen, Menschen, die ganz anders als ich groß geworden sind - oder noch groß werden - zu verstehen. Muss mich geduldig an sie herantasten. Ich muss aufpassen wie ich mich gebe. Schnell könnten sie mein Verhalten auf alle Menschen in Deutschland schließen. Andersherum möchte ich verstanden und respektiert werden. Eine andere Kultur, andere Lebensstile, andere Meinungen, andere Gewohnheiten, andere Freuden, andere Verzweiflungen. Bei so vielen Unterschiedlichkeiten kann es sehr schnell zu Missverständnissen kommen. Doch ich werde dem offen entgegenwirken. Toleriere, verstehe und akzeptiere. Dann sollte es schon klappen Zwinkernd

„Honduras gehört zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Zwei Drittel der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze d.h. mit weniger als 25 Euro monatlich. Mit der Armut und er Arbeitslosigkeit steigen die sozialen Spannungen. Es gibt Streiks und Proteste unterschiedlicher Bevölkerungskreise, die ihre Rechte einfordern. Die normale und organisierte Kriminalität steigt. Die Regierung versucht, dem mit harten Gesetzen, drastischen Strafen und allgegenwärtiger Präsenz von Polizei und Militär zu begegnen. Die Jugendbanden (genannt: marras) finden fortwährend Zulauf.“ - Hogar San Rafael, Kurz – Konzeption.

Wie im Zitat oben beschrieben, ist das Leben hier sehr risikoreich und gefährlich. Doch abschrecken tut mich das nicht. Möchte natürlich nicht in Gefahrensituationen geraten. Bin vorsichtig. Werde mich an Sicherheitshinweise halten.

Was vielen Freiwilligen passiert, ist, dass sie versehentlich in ihren Berichten rassistisch werden. Das, was ich als „Normal“ ansehe, habe ich in meinem Umfeld erlernt. So ist das, was für mich „Anders“ ist, für die Einwohner hier in Honduras vielleicht völlig normal. Und umgekehrt genauso. Wenn ich beispielsweise berichten würde, dass es schwierig sei, sich zu verständigen, weil hier keiner Englisch spreche, würde ich damit eine Überlegenheit ausdrücken, von wegen, Ha, ich kann Englisch. Man könne vermuten, ich würde mit einer solchen Formulierung nur auf Defizite anderer schließen. Solche Wahrnehmungen meiner Leser möchte ich natürlich vermeiden. Doch gerade weil jeder so wahrnimmt und wiedergibt, wie er es in seinem Umfeld gelernt hat, wird es mir vermutlich nicht immer gelingen. Es ist aus meiner Sicht. Fragt mich, kritisiert mich, weist mich auf merkwürdig klingende Formulierungen hin. Sagt auch bescheid, wenn ihr zu bestimmten Sachen mehr hören wollt oder ich etwas vergessen habe. Lächelnd

Die Reise: 29 Stunden und 30 Minuten

Am Donnerstag, 19.09.2013 hat alles begonnen. Wir sind morgens um 03:30 zum Flughafen nach Düsseldorf gefahren, um problemlos, ohne Zeitdruck, einen Parkplatz und den Check-In Schalter zu finden. Es war kalt und es regnete ein wenig. Doch im Flughafen hatten wir dann doch noch genügend Zeit, sich einen Kaffee und heiße Schokolade zu gönnen.

Tja, und dann schon das erste Problem. Für mich scheint es typisch zu sein, dass meine Handys und Flughäfen sich nicht so gut verstehen. Oder liegt es an mir LachendZwinkernd ? Hatte zwei Handys mit und beide waren auf einmal am Flughafen in Düsseldorf kaputt gegangen. Wieso typisch für mich? Ja, hört hört ZwinkerndLachend Nach einem Flug nach Rom habe ich dreimal meinen PIN falsch ins Handy eingetippt, das dann somit gesperrt war. Und bei einem Flug nach London ist mir im Flugzeug beim Start das Akku meines Handys, das mir aus der Hosentasche gefallen war, in den hinteren Teil des Fliegers gerutscht. Das Akku musste ich dann nach der Landung erst mal zwischen den Sitzen wiederfinden LachendZwinkernd Und nun das. Bis jetzt funktionieren meine beiden Handys aus Deutschland immer noch nicht wieder. Hab mir hier in Honduras aber ein neues gekauft. Wer meine Nummer haben möchte, kann mich gerne einfach anschreiben.

Nachdem ich mich von Denice, meinem Bruder und meinen Eltern verabschiedet habe, startete mein Flugzeug (mit mir Zwinkernd ) um 7:50 nach Madrid.

 

 

 

 

 

 

Nach 2 Stunden und 40 Minuten in Madrid angekommen, machte ich mich auf die Suche nach meinem Flug nach San Salvador, der Hauptstadt von El Salvador. Eine extra Bahn hat mich in dem großen und wirklich schönen Flughafen von Madrid zu meiner Abflugzone „RSU“ gebracht.

Mhmm, zweites Problem, da stand ich nun Lachend auf der Anzeigetafel war gar nichts von einem Flug zu sehen, der nach San Salvador gehen sollte. Toll Lachend Bin dann aber erst mal noch n bisschen im Flughafen rumgelaufen, hab mir ne Bulle Wasser gekauft, an einem Schokoladenstand eine kleine Milka bekommen und mich dann erkundigt, warum San Salvador nicht auf der Tafel steht. Es stellte sich heraus, dass der Flug erst nach Guatemala und im Anschluss direkt nach San Salvador gehen sollte. Aha Lachend gut zu wissen.

Im Flieger habe ich den 23- jährigen Ernesto, einen sehr sympathischen El Salvadorianer, der in Chemnitz für irgendeine Handyfirma arbeitet, kennengelernt.

Ernesto und Ich

Er konnte zwar ein paar Wörter Deutsch, haben uns dann aber über vieles auf Englisch unterhalten. Hab ihn direkt auch mal meine kaputten Handys überprüfen lassen, wenn er sich schon mal mit Handys auskennt, aber er konnte mir da leider auch nicht weiterhelfen. Zu Essen gab’s u.a. Lasagne und nen kleinen Kuchen. Nach ca. 11 Stunden war es sehr aufregend die ersten karibischen Inseln zu sehen. Wahrscheinlich gehörten sie zu Puerto Rico.

Die ersten karibischen Inseln

Nach der Landung in Guatemala mussten alle Passagiere raus und die, die wie ich und Ernesto weiter nach San Salvador wollten, sind nach einer guten Stunde in den selben Flieger wieder eingestiegen und nach nur ca. 20 Minuten waren wir in San Salvador. Es war schon dunkel und Zeit, sich von Ernesto zu verabschieden und das Terminal zu meinem Flug nach Honduras zu finden. Hier war ich schon so ziemlich der einzige „Weiße“ und der am größten Gewachsene. Viele Blicke trafen mich.

Alle saßen im Flieger, ich war tot müde, (war jetzt schon etwa 24 Stunden wach) nickte auf meinem Platz schon ein und der vierte Flug konnte starten. Uuuups ne, drittes Problem Lachend Auf einmal standen alle Passagiere auf , nahmen ihre Taschen und verließen den Flieger. Was war los? Ich war eingeschlafen, dachte erst, wir wären schon in Honduras, bis ich dann draußen von einer Stewardess erfahren habe, dass der Flug wegen Unwetter in Honduras abgesagt werden muss. Waaaas? Ouh man. Und meine Handys waren ja hinne. Ich hätte im Hogar San Rafael niemanden anrufen können. Doch zum Glück wurde, nach nur 5 min Wartezeit, der Flug wieder freigegeben. Also alle wieder rin und los ging’s. Dieser Flug war wegen dem Wetter dann tatsächlich auch recht turbulent. Alles nahm ca. 2 Stunden in Anspruch, so dass ich nicht wie geplant um 20:30, sondern um 22:30 nach honduranischer Zeit am Flughafen von San Pedro Sula ankam. Und nachdem ich meine Tasche wieder und es durch den Sicherheitsbereich geschafft hatte, sah ich schnell ein Pappschild mit „Hogar San Rafael“ (Hogar, span. = Heim). Geovani, Sozialarbeiter und stellvertretender Direktor des Hogars, und Iocente, ein Mitarbeiter, der für Reparaturen und Gartenarbeiten verantwortlich ist, warteten noch bis 12 Uhr und empfingen mich sehr herzlich. Mit dem Pickup, dessen Türen nur von außen zu öffnen sind, dessen Tachoanzeigen nicht funktionieren und nur ein Scheibenwischer betriebsfähig ist, fuhren wir von San Pedro Sula nach Villanueva, und von dort den Berg zum Hogar hinauf. Hier kann man sich anscheint aussuchen, ob man von links oder von rechts überholen möchte. Es hat ein wenig geregnet und es war erdrückend schwül. Viel gesehen habe ich wegen der Dunkelheit allerdings nicht und bin auch immer wieder mal während der Fahrt eingenickt. Um 1 Uhr nachts (in D. 9 Uhr morgens) sind wir angekommen und Geovani hupte noch allen im Hogar gefühlte hundert mal aus dem Schlaf, als Zeichen unserer Ankunft. Nachdem er mir dann den Schlüssel zu meinem Haus überreichte, ich das Moskitonetz noch schnell provisorisch irgendwie befestigen konnte, fiel ich nach 30 Stunden reisen in mein neues Bett.

 

Hogar San Rafael

Das Hogar San Rafael ist eines der wuuuunderschönsten Orte auf der Welt, die ich jeh gesehen habe. Und hier herrscht waaaaahnsinnig gute Stimmung. Es befindet sich im Marañongebirge bei Villanueva, ist ziemlich groß und sehr naturverbunden. Bäume - darunter viele Palmen - Blumen, Schmetterlinge und Libellen schmücken das Gelände und die ständige Sonne sorgt für herrliche Temperaturen von 30-35 Grad, die man hier oben gut aushalten kann. Im Moment ist in Honduras auch die Regenzeit, nach der wohl jede halbe Stunde ein kräftiges Gewitter kommen soll. Doch es ist ganz anders. In meinen zwei Wochen Aufenthalt hier, hat es vielleicht erst 2-3 mal geregnet.

Die Kinder spielen auf dem Hogarfußballplatz Der Hauptplatz im Hogar  Früchte an einer Palme bei mir im Garten

 

Gebäude und ihre Funktionen

Hier wohnen 41 ehemalige Straßenkinder und Jugendliche von 8 bis 19 Jahren, die in mehreren Wohnhäusern leben. Eine therapeutische Kunstwerkstatt „Laboratorio“ bietet die Möglichkeit aus Kokosnussschalen Ohrringe zu basteln, Armbänder herzustellen oder sonstige kreative Arbeiten zu schaffen.

Es gibt einen Stall mit eigenen Kühen und Pferden und ein kleinerer Stall mit unzähligen Hühnern und einem Schwein, „Shakira“. Ob die Sängerin Shakira schwanger ist, weiß ich nicht, unsere Shakira erwartet jedenfalls seit letzter Woche Ferkel. Dazu wurde sie extra in ein Nachbardorf gefahren Zunge raus

Der Stall mit den Kühen und Pferden Das Schwein

Dann gibt es hier noch eine Schreinerei. Hier hoffe ich bald das Spiel „Kubb“ mit einigen Kindern bauen zu können. Einige kennen das Spiel auch unter dem Namen „Wikingerspiel“ oder „Schwedenschach“. Ja so übermittle ich vielleicht als Deutscher ein skandinavisches Spiel nach Honduras Zunge raus Globalisierung ne? Zwinkernd

Die Schreinerei

In der Küche bekommen alle im Hogar drei warme Mahlzeiten am Tag und ein großes Haus gegenüber bietet Zimmer für Mitarbeiter und auch einige Kinder. Sonst stehen hier viele Container, in denen Arbeitsmaterial, Ersatzkleidung etc. gelagert werden.

 

Meine Mitarbeiter

Ja die Mitarbeiter. Woooow, was für ein super Team. Was bin ich froh, dass diese wahnsinns Menschen hier arbeiten und teils, ebenso wie ich, hier wohnen (da es sich für sie nicht lohnen würde immer nach Hause zu fahren). Sooo witzig, so hilfsbereit und soooo geduldig, wenn es um meine Spanischkenntnisse geht. Seit Deutschland noch, hab ich schon seid fast drei Wochen ne Grippe. Und jeden Morgen fragen alle, obs besser geworden ist. Die Mutter der Zahnärztin, die hier arbeitet, hat extra einen natürlich gemixten Saft gegen meinen Husten gezaubert. Und Geovani hat mich letzte Woche zum Arzt gefahren. Ouh man Lachend hab da sogar irgendeine Spritze in Po bekommen Lachendna wenns hilft Zwinkernd mit na handvoll Medikamente bin ich jetzt jedenfalls gut ausgestattet.

Also, die Mitarbeiter: Da wäre vorerst Keila zu nennen. Sie ist 18 Jahre alt und arbeitet in der Küche. Ich helfe ihr oft beim Käse, Bohnen, Tortillas machen, bis zu 100 Stück jedes mal. Ja die spanischen Zahlen kann ich jetzt Lachend Keila wechselt sich in der Küche immer mit Nolvia ab. Außerdem arbeiten hier die Educatorinnen Carol (21), Beatrice, Eva und Lety. Und die Educatoren José Maria, Cruz und Celectino. Auch die vier Lehrer Profesora Lurvin (19), Profesora Gina, Profesora Rosa und Profesor Julio (20) wohnen hier in der Woche.

Profesor Julio und Celectino

Geovani und Iocente habe ich ja schon vorgestellt. Außer denen arbeitet hier noch Crispin, der sich mit um die Tiere und um Instandhaltungen kümmert. Er ist jetzt übrigens mit seiner Frau verlobt. Und hier leben noch vier Schwestern in einem Konvent weiter oben auf dem Berg. Die Kinder gehen einmal die Woche dorthin, um wie im Kommunionsunterricht mehr über Jesus und die Bibel zu erfahren. Die Direktorin vom ganzen Hogar ist Altagracia.

Foto mit allen Mitarbeitern:

obere Reihe: Beatrice; ein Freund vom Hogar; Profesora Lurvin; Profesora Gina; Geovani; Don Javier (ein Freund vom Hogar); Lety; Monsignore Angel Garachana (Bischof aus San Pedro); Carol; Altagracia; Profesora Rosa; Eva

untere Reihe: Crispin, Josè Maria, Cruz, Celectino, Profesor Julio; Ich

Nur Iocente und die beiden Köchinnen Keila und Nolvia fehlen auf dem Bild.

Ja, bin sehr froh mit denen hier zu arbeiten. Sitzen abends noch lange zusammen und spielen, reden, essen noch was. Julio konnte ich sogar schon bei einer Arbeit für die Schule helfen. Es wundert euch das die Lehrer so jung sind? Nach der Grundschule, wird hier das Colegio besucht (was in Deutschland erst die weiterführende Schule wäre), in dem sich die Schüler direkt zu einem Beruf spezalisieren. Diese haben sich also für den Lehrerberuf entschieden. Einige wollen später dann noch zur Universität, denn wirklich viel verdienen sie als Lehrer nicht. Ich habe in meinem freiwilligen Jahr in Deutschland mntl. 370 Euro bekommen. Die Lehrer hier verdienen mit einem vollständigen Beruf noch weniger als ich nur ein Freiwilliger war.

 

Meine Unterkunft

Im unteren, blauen Bereich wohne ich

Ich wohne in dem Besucherhaus, im Erdgeschoss. Im Eingangsbereich befindet sich direkt eine eigene Küche mit Backofen, Gasherd, Spüle und einer Theke. Bisher hab ich hier noch nicht gekocht, da ich immer in der Hogarküche mitesse, aber vielleicht in Zukunft mal. Dahinter habe ich ein „Wohnzimmer“ mit Stühlen, Tisch und ein paar Regalen, Dann mein Zimmer mit meinem Bett, ein Badezimmer und noch ein Zimmer für eventuell weitere Freiwillige. Im Oktober soll vielleicht noch eine ehemalige Freiwillige aus Spanien zu Besuch kommen. Das steht aber noch nicht ganz fest. Ohnehin lebe ich neuerdings eh nicht alleine hier. Irgendwo in meiner Habitación läuft immer mal ein Gecko rum und vor meiner Haustür quakt echt jeden Abend an der selben Stelle ein fetter Frosch.

Meine MItbewohner, der Gecko... ...und der Frosch

In der Etage über mir befindet sich das Büro vom Hogar. Hier findet jeden Montag eine Teamrunde mit allen Mitarbeitern statt, um über aktuelle Ereignisse, Beschaffungen und alles mögliche zu reden. Auch ich kann hier Probleme oder Ideen ansprechen. Im Büro befindet sich außerdem ein Kühlschrank und ein Gefrierfach. Und da ich auch einen Schlüssel zum Büro habe, kann ich sie gut mitnutzen Lächelnd

 

Mein Tag

Mein Tag beginnt meißt um 5 Uhr morgens, da um 6 Uhr das Frühstück beginnt. Ich hab genug Zeit ein wenig Spanisch zu lernen und mich fertig zu machen. Meine Dusche mit dem kalten Wasser, sorgt dafür, dass ich richtig wach werde Zwinkernd Vor jedem Essen stellen sich alle Kinder und ein paar Mitarbeiter im Speisesaal in einen Kreis, um kurz ein paar Absprachen zu treffen und anschließend zu beten.

Ein paar Kinder im Kreis vorm Abendessen

Ich sollte auch schon ein paar mal deutsche Gebete halten. Manchmal so plötzlich, dass mir auf Anhieb gar nicht so viel einfiel. Aber zum Glück versteht das hier keiner, was genau ich da sage Zwinkernd Beim Frühstück gibt es meißt Bohnen, mit Käse und Maistortillas. Ab und zu gibt es auch ein kuchenähnliches Gebäck oder Cornflakes. Die Getränke sind neben Wasser, dass immer zur Verfügung steht, süßer Kaffe, Eistee uuuuund köstlich, grandiose, warme Sojamilch. Auf die freue ich mich immer aufs neue. Einfach lecker Lächelnd

Um 7 Uhr beginnt die Schule. Die Kinder tragen Schuluniform, ein weißes Hemd und eine blaue Hose. Die Mädchen einen blauen Rock. Die Educatoren kontrollieren, ob sich alle Kinder gründlich gewaschen und saubere Wäsche angezogen haben.

Die Schüler auf ihrem Schulweg Vor der Schule

Da im September der Nationalfeiertag von Honduras ist, stellen sich im ganzen Monat vor der Schule die Schüler Klassenweise nebeneinander, beten, und singen die honduranische Nationalhymne. Ein Lehrer fragt noch ein paar Fakten, wie Hauptstadt, Präsident von Honduras....ab. Aber halt nur im September.

Weil die Schüler von außerhalb in ihren Familien nicht immer morgens Essen erhalten können, wird vor der Schule an alle Kinder noch etwas verteilt.

In den Klassen hat jeder Schüler seinen kleinen Tisch direkt verbunden mit einem Stuhl. Ich quetsche mich dann oft dazu und nehme mit am Unterricht teil oder helfe dem Lehrer oder den Schülern. Einige Schülerinnen schreiben mir auch immer Zettelchen und bedanken sich, dass ich hier bin.Willkommen zurück in der Grundschule. Ziemlich süß.

Zettelchen von einem Mädchen in der Schule

Nach der Schule werden die Kinder aus den umliegenden Dörfern nach Hause gebracht und unsere vom Hogar bekommen um 12:30 Mittagessen. Meist gibt es hier dann Reis, mit Bohnen und Tortillas. Oder Baleadas, die in etwa mit unseren Pfannkuchen zu vergleichen sind. Manchmal gibt es auch Suppe, mit Kartoffel, Möhren, Bananen, Kuhfleisch, kleinen Maiskolben und ganz viel mehr drin. Einmal – ouh da musste ich mich auch wirklich überwinden – gab es Reis mit Fischkopf. Augen und ein paar Flossen waren noch dran. Ja ich habs gegessen, aber hab, glaube ich, von allen noch am meisten dran gelassen Zunge raus Und hier gibt es die leckersten Früchte, solch köstliche Bananen, Mandarinen, Annanas und und und. Das gibt es in keinem Supermarkt.

Nachmittags findet die „Hora pedagogica“ statt. Hier machen die Kinder Hausaufgaben, bei denen ein Educador und ich mithelfen. Außerdem hat das Hogar jeden Monat eine eigene Zeitung, die auch in deutscher Sprache kostenlos zu abonnieren ist. Meine Aufgabe neuerdings ist es, die spanischen Texte für die deutschsprachige Zeitung zu übersetzen.

Bis zum Abendessen haben die Kids dann frei. Hier wird meist Fußball gespielt. Oder murmeln. Hab da auch schon ein paar mal mitgezockt. Unglaublich aus was für Entfernungen die Kinder gegenseitig ihre Murmeln weg schnipsen. Das Abendessen ist um 18:00 Uhr. Letzte Woche wurde hier anschließend großes Kino veranstaltet. Spider-Man Lächelnd Und diese Woche sogar König der Löwen. Herrlich. Sehr interessant sich die Filme auf Spanisch anzugucken.

Schaue mit den Kids König der Löwen

Um 8 Uhr gehen dann die kleinsten Kinder ins Bett und nach und nach auch die älteren. Irgendwann sag auch ich „buenas noches“ und gehe einen kurzen Anstieg hinauf zu meinem Zimmer. Der Weg ist abends schon komplett dunkel. Doch in den Gräsern am Wegrand weisen mir tausende von Glühwürmchen den Weg. Ein wirklich fantastisches Bild!

 

Besondere Aktionen

„Cepudo“

Die Organisation „Cepudo“ ist eine soziale Hilfseinrichtung, die monatlich das Hogar unter anderem, aber vor allem mit den Grundnahrungsmitteln Bohnen, Mais und Soja unterstützt. Am 28.09 gab es im Hogar dazu ein Fest, veranstaltet von „Cepudo“, mit zwei Hüpfburgen, zwei Clowns, Schminktisch, reichlich Zuckerwatte und Eisgetränken.

Zuckerwatte und Eisgetränke wurden ausgeteilt

 

Das große Patronatsfest

Am Sonntag, 29.09 fand hier im Hogar das große Patronatsfest zu Ehren des heiligen St. Rafael statt. Die Woche zuvor haben die Kinder schon fleißig mit Palmenzweigen die Wege gesäubert und mit Macheten den Rasen gekürzt.

Machete

Hier lernen sie schon schnell den Umgang mit dem riesigen Messer kennen. Ich muss sagen, so einfach ist das nicht mit dem Ding umzugehen. Aber nach einiger Zeit bekam ich es dann auch hin. Außerdem haben wir mit einer weißen Farbe alle Steine und Bäume unterhalb bemalt.

Carol, Ich, Alexander und Beatrice         

Die Kinder lernen so das Hogar als ihr zu Hause besser kennen. Wissen es zu pflegen und gut damit umzugehen. Leider stelle es sich erst später heraus, dass die Farbe nicht die gesündeste ist. Weil wir ohne Handschuhe arbeiteten, bekam ich am Arm fette rote Stellen und auf der rechten Hand viele kleine Wunden. Mit Salben und Cremes wurde es aber gut behandelt und auch bei den Kindern ist alles wieder im Lot.

Damit es an dem Sonntag auch ein köstliches Essen gab, wurde eine Kuh geschlachtet.

Iocente zerlegt das Fleisch Ich mit dem Kuhkopf Kuhfüße

 

Über hundert Besucher aus den umliegenden Dörfern, darunter Schüler der Hogarschule, Familien der Kinder, Freunde, Unterstützer kamen, um mit uns zu feiern. Da merkt man, welch wichtige Bedeutung das Hogar nicht nur für die Kinder, sondern auch für andere Menschen hier hat.

Bischof Monsignore Angel Garachana und der Pater aus Villanueva Ich mit zwei Kindern aus dem Hogar

Die Messe wurde vom Bischof Monsignore Angel Garachana aus San Pedro Sula höchstpersönlich gemeinsam mit dem Pater Hidelber Garzón aus Villanueva gehalten. Alle halfen mit und einige Kinder spielten auch ein Theaterstück vor.

Wir Arbeiter hatten an drei Abenden zuvor sogar einen landestypischen Tanz eingeübt. Meine Partnerin war eine der vier Schwestern. Doch Julio entschied die Aufführung abzusagen. Er fand uns zu schlecht Lachend Vielleicht hatte er auch Lampenfieber. Ich weiß es nicht Lachend Wir wollen den Tanz aber irgendwann anders noch vorstellen. Dann lasse ich jemanden Fotos davon machen Zwinkernd Eine andere, professionelle Tanzgruppe trat aber noch auf.

Zudem verkauften wir Bohnen, Säfte, selbst hergestellten Schmuck, Anziehsachen und spielten einige Runden Bingo, bei denen kleine Preise abgesahnt werden konnten.

  Bohnen (Frijoles) Bingo

Auch sogenannte "Topohillos" oder auch "Leche frío" wurden verkauft. Das ist in Plastktüten verpackter süßer, gefrorener Saft oder Milch . Man reißt die Tüte mit den Zähnen an einer Ecke auf und lutscht das „Eis“ aus der Tüte raus. Mein Favorit, eindeutig, könnte zig von diesen Tüten lutschen.

Außerdem fand ein Fußballspiel mit Kindern und Erwachsenen aus Villanueva statt, bei dem ich auch mitwirken durfte. Meine Mannschaft verlor leider nach einem 3:3 im Elfmeterschießen. Es hat aber riesigen Spaß gemacht.

Ich am springen :)

Außerdem hatte ein guter Freund vom Hogar, Don Javier, an diesem Tag Geburtstag. Sehr zur Freude der Kinder wurde eine Torte ausgegeben und Don Javier mit Sahne eingeschmiert.

Was auch sehr witzig war, ist, dass viele Mädels auf dem Fest ein Foto mit mir haben wollten. Carol erklärte mir, dass jemand mit hellerer Haut, helleren Haaren und grünen Augen hier schon was besonderes ist. Ja ich habs genossen Zwinkernd

 

Geburtstagsfeier - Feliz Cumpleaños

An einem Tag werden hier immer alle Geburtstage von einem Monat gefeiert. Am 03. Oktober alle vom September. In Honduras ist es Tradition, dass dazu eine Piñata  zerschlagen wird. Eine mit Süßigkeiten gefüllte Figur. Mit verbundenen Augen muss das Kind versuchen mit einem Stock die Piñata  zu treffen, um so an die Bonbons zu gelangen. Ein sehr witziges Schauspiel, an dem alle Kinder riesigen Spaß hatten.

Nach dem Abendessen wurde im Laboratorio noch eine Party geschmissen. Es gab Kuchen, Geschenke, Musik und Partyspiele, an denen ich natürlich auch teilnehmen musste Zwinkernd

Tanz     Ich in Aktion ;) Eine Schwester gibt einem Kind ein Geschenk

Zum Abschluss ein Film und alle sind müde und glücklich ins Bett gegangen.

 

Ein fantastisches Fußballspiel

04. Oktober, woow, was für ein toller Tag! Ich durfte für eine Mannschaft aus Villanueva gegen die Kleingemeinde San Francisco spielen. Um ca. 9 Uhr morgens wurden die Educatorin Carol, drei Kinder und ich von drei Pickups abgeholt. Darunter ein paar Mannschaftsmitglieder aus Villanueva, ein paar Besucher und der Pater Hidelber Garzón. Auf der Fahrt nach San Francisco bin ich zum ersten mal hinten auf der Ladefläche mitgefahren.

Zwei Jugendliche aus dem Hogar Carol mit schönem Spongebob-Cap ;) Der Pater aus Villanueva

Durch die Berge war der Weg sehr ruckelig und steil – musste mich gut festhalten – aber man hatte so auch herrliche Ausblicke. Doch bis zu San Francisco direkt konnten wir nicht fahren. Die Wege wurden dann so steil, dass das Auto sie nicht hätte bewältigen können. Ein einstündiger, anstrengender Marsch durch Berge und Pflanzen trennte uns noch von unserem Ziel. Schweißgebadet sahen wir dann die ersten Maisfelder, die zu San Francisco gehören und kurz darauf waren wir angekommen. Mitten im dichten Wald eine große Lichtung mit verschiedenen Gebäuden, darunter auch die Schule San Francisco.

Daher sind wir gekommen... ...erstmal eine Pause... ...und die Lichtung Ein schöner Eselhintern ;-)

Und davor der Fußballplatz. Naja, eher Fußballhügel ;-). Das eine Tor befand sich bestimmt 2-3 Meter höher als das andere. Nachdem der Pater eine Messe gehalten hatte, bekam ich mein Trikot und das Fußballspiel vor bestimmt 100 Zuschauern konnte starten.

Ich mit der Mannschaft aus Villanueva

Im zentralen Mittelfeld konnte ich mich gut ins Spielgeschehen einbringen und mir gelang nach einer Ecke sogar ein Kopfballtor zum zwischenzeitlichen 3:1 für uns. Der Pater und ein Kind vom Hogar wurden später auch noch eingewechselt.

Todos por Villanueva - Alle für Villanueva

Nachdem wir nach der Halbzeit jedoch „bergauf“ spielen mussten, wurde es eindeutig schwieriger und wir verloren das Spiel 6:4. Zwischendurch lief auch mal ne Mannschaft Kühe übers Feld, die da alle zusammen mit einem Esel frei herum grasten. Müde und erschöpft von dem Spiel in der heißen Sonne, begaben wir uns auf den langen Rückweg und kamen um ca. 5 Uhr abends wieder im Hogar an.

Die letzten Stunden in Deutschland

Mittwoch, 18.09.2013

Sooo, hi ihr lieben Blog-Mitverfolger Lachend Zwinkernd

Ich bin Startklar! Alle Einkäufe habe ich erledigt und mein Rucksack ist gepackt!

Jetzt ist es 22:45 und meine letzte "Nacht" in Deutschland steht grad vor mir. Denn in wenigen Stunden bringen mich meine Eltern und Denice zum Flughafen von Düsseldorf. Dort kommt mein Bruder aus Köln dann auch noch extra hin! Super töfte Sache von allen Lächelnd Dankeeee! um 7:50 startet dann mein Flieger nach Madrid.

Am Sonntag hatte ich noch meine Großeltern zu einem kleinen Kuchen-Abschied zu Besuch und am Montag für meine Freunde noch ein Abschiedsgrillen geschmißen. Danke für euer kommen und all den supertollen Abschiedsgeschenken!!! :) Und...puuuh, hab noch schnell vor Honduras der Altstadt von Münster tschüss gesagt. Cool wie ich bin Zunge raus, dacht ich mir, wollte ich mich natürlich auf Honduras vorbereiten und bestelle mir den Puro Mexico im Enchilada. Leute!!! Den müsst ihr ausprobieren, wenn ihr nach einer Chillischote darin auch eine halbe Stunde weinen, Schluckauf und einen verbrannten Mund haben wollt! Lachend Ja, denke ich bin gerüstet für die honduranische Küche Zwinkernd!

Bei den Kids aus meiner alten Arbeit im LWL-Internat habe ich mich auch extra nochmal verabschiedet und von einzelnen Leuten dann auch noch schnell eben Zwinkernd. Ja und nun habe ich alles auch schon etwas mehr realisiert Zwinkernd ...nach den ganzen Verabschiedungen.

 

Und woow, waaahnsinn, da muss ich doch auch mal ganz bescheiden sagen, dass die Zeitung über mich berichtet hat Lachend. Hier der Artikel:

 

Ein paar Formulierungen haben sie ja dann doch aus meinem Blog hier übernommen, aber bin vollstens Zufrieden Lächelnd Super!

 

Also: Ich ruhe mich jeztt noch für ein paar Stündchen aus. Ihr erfahrt weiter von mir! Bis dahin Lächelnd

Politische Lage in Honduras

Donnerstag, 12.09.2013

In Honduras stehen die Präsidentschaftswahlen an. Das Franz Hitze Haus in Münster informiert über die aktuelle Situation in Honduras. Wer Interesse hat, nähere Infos zur Tagung gibt es Hier.

Ja sehr schön!

Dienstag, 10.09.2013

Dass ich irgendwann mal nach Honduras will, wusste ich schon vor einigen Jahren. Krass, dass es jetzt tatsächlich passiert. Ob ich´s schon realisiert habe? Ne du! Lachend Heute hier und bald ganz woanders leben. Wooow wooow. Ein leichtes Zittern in meinen Händen Zwinkernd 

Über meine Kirchengemeinde habe ich von dem Projekt Hogar San Rafael in Honduras zum ersten Mal erfahren und erste Bilder gesehen. Ich dachte, Jonas! Da musst du mal hinne! Beworben, vorgestellt und taadaaaaaaa! Nun kann ich zum ersten Mal dort hin. Für mich das erste Mal raus aus Europa. Ein Traum wird wahr! Lächelnd Tja so kann ich hier auch gut den Winter umgehen Zwinkernd

Zu verdanken habe ich alles dem Förderverein St. Rafael, meiner Entsende- bzw. Trägerorganisation.

Nachdem ich einige ehrenamtliche Programme mitgeleitet und ein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) in der LWL-Wohngruppe absolviert habe, kann ich meine Erfahrungen und Kenntnisse nun für honduranische Kids anwenden - und dabei auch noch mein Spanisch verbessern! Uhlala! Zwinkernd

Da, wo ich arbeiten werde, wohnen ehemalige Straßenkinder, deren Alltag ich kennen lernen und begleiten werde. Außerdem kann ich mich bei der Feldarbeit (das Hogar baut selber Obst an), beim Fußballtraining für die Kinder, beim Englischunterricht und für sonstige Projekt fördernde Tätigkeiten einbringen. Das sind soweit meine im Vorfeld eingeholten Informationen. Was ich dann tatsächlich mache, erfahre ich bald und werde es ich euch hier wissen lassen. Ich werde dort auf jeden Fall Spaß haben, eine ganz andere Kultur kennen lernen und alle mit meiner Lebensfreude versuchen anzustecken. Ich werde auch meeega die Frustphasen haben, dann pack ich aber meinen Ipod aus und bin der größte Rockstar von HondurasCool. Die hören da eh hauptsächlich Salsa, da sollte es mir nicht schwer fallen, das zu schaffen. hehe Zwinkernd

Die Vorbereitungen sind im Grunde alle getroffen: Habe mich gegen Sämtliches impfen lassen (alles gut vertragen), den Flug gebucht (über Madrid und San Salvador, dann San Pedro Sula), nen Reisepass beantragt, Malaria-Medizin besorgt, an einem 10-tägigen Vorbereitungsseminar in Köln teilgenommen Hier, mich informiert, meine Spanischkenntnisse aufgerüttelt.....blaablaablaaa....ganz viel mehr. Ein Viusm brauche ich vorher nicht. Ich bekomme bei der Einreise ein Touristenvisum, das 90 Tage hält. Danach kann ich das dann da drüben verlängern lassen. Hoffe ich zumindest Zwinkernd

Im Moment bin ich noch dabei, diverse Einkäufe zu erledigen. Ich benötige noch ein Moskitonetz, Autan ist noch ganz wichtig, da sich das Dengue-Fieber in diesem Jahr erheblich in Honduras erhöht hat. Dann noch Adapter für die Steckdosen dort, Schuhe und noch anderes Gedöns.

Ihr hört ;)

Bald geht es los

Dienstag, 10.09.2013

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse im Ausland berichten.